“Illegale” Geschichten | Kurzfilme auf Russisch über das Leben von LGBT

Am 21. Januar 2019 um 19 Uhr fand im PANDA eine Vorführung von Dokumentarfilmen aus der Sammlung “Ein Tag im Leben…” (Ru – USA) und “Voices” (Ru – De) mit anschließender Diskussion statt.

Die Sammlung “Ein Tag im Leben…” beinhaltet die Kurzfilme von Liebe, Privatleben, familiären Beziehungen: ganz übliche Geschichten, die sich durch Protagonist*innen abwickeln, die sonst unerhört bleiben. Ihre Leben und ihre Liebe sind in vielen Ländern, auch in Russland, illegal.

Produziert ist die Reihe vom Sankt Petersburger LGBT Filmfestival “Bok o Bok”.

Nach der Filmvorführung fand eine spannende Diskussion darüber, dass heutzutage queere Menschen in Kino unsichtbar bleiben. Es ist kaum möglich, einen professionellen Film mit LSBTIQ*-Protagonist*innen finden. Die Teilnehmenden tauschten auch ihre persönliche Erfahrung von Diskrimionierung aufgrund sexueller Selbstbestimmung, Herkuft, Aussehens und ethnischer Zugehörigkeit.

Workshops im Rahmen der “Toleranz-Akademie”, eines Partnerorganisationsprojektes

Am 1.-8. September in Seeshaupt fand „Toleranz-Akademie“ – eine Veranstaltung von einem der Quarteeras Netzwerkpartner, dem Verband russischsprachiger Jugend in Deutschland JunOst e.V. und ERASMUS+ statt. Quarteera e.V. nahm an der „Akademie“ als Referent*innen teil, um eine der Maßnahmen im Rahmen des zu derselben Zeit angefangenen Modellprojekts „Разнообразие heißt Vielfalt“ umzusetzen.

Im Rahmen des Modellprojekts spielte die Teilnahme an der „Toleranz-Akademie“ eine wichtige Rolle, da sie uns eine Plattform zur Aufklärung und Sensibilisierung einer der Zielgruppen und Gewinn von Multiplikator*innen bot.

An der Veranstaltung nahmen Aktivist*innen aus Deutschland, Lettland, Tschechien, Belarus und Armenien teil, die sich mit den Themen Menschenrechte, interkultureller Dialog, Antidiskriminierungsarbeit beschäftigen.

Durch die Workshops „LSBTIQ* kurz erklärt“, “Geschlechtsidentitäten” und „Mythen und Fakten über LSBTIQ*“ setzten sich die Teilnehmer*innen mit der Geschichte der LSBTIQ*-Bewegung auseinander, erarbeiteten Strategien gegen diskriminierende Stereotype über Homosexualität und tauschten ihre Erfahrungen im Umgang mit dem Thema Homosexualität aus.

Impulsveranstaltung „Kindliche und Jugendliche Sexualität“ für russischsprachige Eltern in Saarbrücken

Am 23. November fand eine Impulsveranstaltung für russischsprachige Eltern aus Saarbrücken in Kooperation mit der Initiativgruppe des Vereins JunOst “Club CONNECT” statt. Das Workshop “Kindliche und Jugendliche Sexualität” hatte als Ziel, eine Diskussion über sexuelle Vielfalt in der sexuellen Erziehung in der Familie zu öffnen.

Die Teilnehmerinnen reflektierten über ihre eigenen Erfahrung mit dem Thema Sexualität in der Heimatkultur, vergliechen die Situationen in Bezug auf sexuelle Aufklärung zwischen dem Heimatland (Russland) und Deutschland. Im Rahmen des Workshops sind die Eltern die Fragen eingegangen: wie Eltern Kinder über unterschiedliche Lebensweisen aufklären, bei gesunder Wahrnehmung körperlicher Veränderungen unterstützen und helfen, bei Kindern Bewusstsein über eigene Grenzen aufbauen können.

Impulsveranstaltung “Queere Migration und Hassverbrechen gegen LSBTIQ* in Kunst”

Am 7. Dezember 2019 fand ein Vortrag mit Diskussion über künstlerische Auseinandersetzung mit queeren Migrationsgeschichten und Hassverbrechen aufgrund der Homo- und trans*Feindlichkeit anhand der Werke einer queer-feministische Künstlerin aus Sankt-Petersburg statt.

Polina Zaslavskaya stellte zwei Projekte vor: “Weschdok” (DE: “Materielle Beweise”) und “Chroniken der Flucht” und verrät ihre Arbeitsmethode. Die zwei Projekte windem sich den komplexen Themen und zwar: wie verarbeitet Kunst das Thema Gewalt? wie kann Kunst die Erfahrung des Anderen darstellen? Wie der/die Künstler*in damit umgeht und wie das Thema das künstlerisches Forschen beeinflußt?

Anhand dieser Werke diskutierten die Teilnehmenden die Gedanken hinter der Form des künstlerischen Ausdrucks, welche Geschichte von queeren Migrant*innen aus Deutschland sie kennen und tauschten ihre Gefühle und Erkenntnisse aus.

Die Wasserfarben-Serie ““Weschdok” (2017, DE: “Materielle Beweise”) basiert auf die Forschung von Alexander Kondakov “Hassverbrechen gegen LSBTIQ*-Menschen in Russland”. Die Werke aus dieser Serien wurden als Abbildungen im Buch benutzt. “Weschdok” stellt die Abdrücke der Gegenstände dar, die zu Komplizen in diesen Hassverbrechen wurden. Der Schatten eines Gegenstandes auf dem Papier ist das Einzige, was an der Tat noch erinnert, und ähnelt sich dem Gedächtnis, das einem nur die Abdrücke – Wunde – des erlebten Gewalts hinterlässt.

“Chroniken der Flucht” (2018) ist auch eine Wasserfarbe-Serie, die die Geschichte der Flucht durch die Geschichte der Weltmalerei erzählt. Die Serie stellt für die Künstlerin den Ausgangspunkt dar, durch den sie mit der Erfahrung des Anderen interagieren kann. Mithilfe eines Collages aus den Kopien von berühmten Werken unterschiedlicher Zeitperioden, die durch die technische Reproduktion ihre Aura verlieren, verwandelt Polina Zaslavskaya sie in die Protagonist*innen eines neuen Bildes. Wasserfarben vereinbart mit dem Collage verleihen den schwarz-weißen Kopien von Tizian, Pirosmani und Deineka eine neue Identität. Durch die Zeilen lässt sich das Motiv von “Chroniken der Flucht” lesen.
Die Veranstaltung findet in deutscher und russischer Sprachen statt.
Polina Zaslavskaya ist eine 1984 geborene in Sankt-Petersburg lebende queer-feministische Künstlerin. 2015 gründete sie eine queer-feministische Küsntlerinnengruppe “Unerwünschte Organisation”. Personale Ausstellungen: “Weschdok” (2017, 2018); “Utensilien.365” (2015). Kuratorin der Ausstellung “Verwandtschaftsrituale” (Masha Godovannaya, Polina Zaslavskaya, 2019). Gruppenausstellungen und Festivals: “Alogorrhea” (Praha 2018), “Zoopsychosis” (St-Petersburg, 2016), “Laboratorium des theoretischen Schleims” (St-Petersburg, 2016), Öffentliches Programm des Manifests 10 (St-Petersburg 2014), Internationales Festival “MediaUdar” (Moskau, 2014), das Festival Kvir_Feminist_Actzia (Wien, 2014), “Feministische Kunstkritik” (Minsk, 2015).

Die Teilnahme von Polina Zaslavskaya wurde durch das Programm “Kultur in Bewegung: Regionaler Mobilitätsfonds des Goethe-Instituts Osteuropa und Zentralasien (OEZA) ermöglicht.

Ein Modellprojekt der Akademie Waldschlosschen und Quarteera e.V. im Programm, Modernisierung und Ausbau der
Tragerstrukturen der politischen Erwachsenenbildung - Starkung und Diversifizierung" der Bundeszentrale fur politische Bildung